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Japanreise
2009
Teilnehmer:
sechs Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Köln-Rodenkirchen
und der Kaiserin-Theophanu-Schule Köln, Stufen 9-11 (fünf
Mädchen, ein Junge )
Zeitraum: 28. Juli
- 10. August 2009
Nach einem wackeligen
Flug von Köln-Bonn Richtung Amsterdam führte der
Langstreckenflug nach Osaka. Sogleich nachdem am Flughafen
das Eintauschen der Traveller Checks und das Einlösen
des Rail Passes erledigt war, ging es weiter nach Kyoto. Die
Jugendherberge dort stellte die Basis für die nächsten
fünf Tage dar. Von dort wurden nicht nur Ausflüge
zu den Highlights innerhalb Kyotos unternommen, wie zum Kiyomizu-Tempel,
zum Felsengarten, zum Goldenen und zum Silbernen Tempel (um
nur einige Beispiele zu nennen), sondern auch nach Nara und
Kobe.
In Nara, der ersten
Hauptstadt Japans, wurde der Bummel durch den Park mit den
Rehen leicht eingetrübt durch starken Regen und kräftige
Gewitter. Aber dennoch war es eindrucksvoll, die größte
Holzkonstruktion Asiens zu sehen, die eine riesige Buddha-Figur
aus Bronze beherbergt. Ein Schüler kroch sogar tapfer
durch das symbolische Nasenloch Buddhas, und alle SchülerInnen
verewigten sich mit ihren japanischen Unterschriften auf einem
zu spendenden Dachziegel.
In Kobe besuchten
alle das dortige Erdbebenmuseum, das an die Katastrophe von
1995 (über 6.000 Tote!) erinnert und die Erfahrung Erdbeben
auf verschiedene Weisen anschaulich darstellt. Deutsche scheinen
in diesem Museum sehr selten zu sein; die Gruppe wurde sehr
freundlich betreut und von Zeitzeugen engagiert näher
informiert.
Als Kultur in der Kultur empfanden die SchülerInnen den
Ausflug zu Kobes China Town, wo an Ständen draußen
Essen angeboten und auch verzehrt wurde - sehr untypisch für
Japan.
Die Abende in Kyoto
standen im Kontrast zum eher traditionellen Tagesprogramm:
da es in Japan auch im Sommer schon immer sehr früh dunkel
wird, war das Ausgehviertel Gion schon früh hell erleuchtet
und belebt. Die Gruppe ging u.a. in einem 100-Yen-Laden (100
Yen = ca. 73 Cent) einkaufen und an gleich zwei Abenden in
eine Karaoke-Box. Nach Herzenslust deutsche Lieder ("Ein
Lama in Yokohama!") oder auch englische zu singen, schien
allen großen Spaß zu machen.
Nach einigen Tagen
ging es dann weiter. In Himeji bestieg die Gruppe das schönste
und größte Schloss Japans, dann fuhr der Zug über
die längste Brücke der Welt nach Shikoku (die kleinste
der vier Inseln). In der traditionell japanischen Jugendherberge
hoch am Hang über einem Dorf konnten alle einmal die
"ländlichere" Seite Japans kennen lernen, auf
Futons schlafen und ein japanisches Frühstück ausprobieren.
Der 17jährige Sohn der Betreiber hatte sich anscheinend
schon sehr auf den Kontakt mit gleichaltrigen Jugendlichen
gefreut; jedenfalls hatte er einen kleinen Vortrag bzw. Fragen
auf Englisch vorbereitet, worauf die SchülerInnen sehr
kooperativ eingingen. Als Worte nicht mehr reichten, schleppte
der Sohn seine Übungsbücher für die Aufnahmeprüfung
an der Universität an. Danach waren einige SchülerInnen
doch sehr froh, im deutschen Schulsystem eingebunden zu sein!
Am späten Abend schallten dann sogar noch einige ohrenbetäubende
Kostproben auf einer schicken E-Gitarre durch Haus und Umgebung...
Am nächsten
Tag bewunderte die Gruppe zuerst ein riesiges Kanji aus Sand
(345 m Durchmesser!), dann ging es ans Meer zum Baden und
danach in eine Art japanisches Thermalbad (onsen).
Die beiden nächsten
Tage waren Hiroshima gewidmet: vor allem dem Peace Memorial
Museum, das lehrreich über die Hintergründe des
Abwurfs der Atombombe, aber auch ergreifend über die
Auswirkungen auf die Menschen damals aufklärt. Im nahe
gelegenen Peace Park waren bereits erste Vorbereitungen Aktivitäten
für den Gedenktag am 6. August zu spüren.
Abends in der Jugendherberge
war sehr internationales Publikum anzutreffen, erstaunlicher-weise
auch viele Deutsche.
Am Gedenktag standen
alle sehr früh auf, um die Zeremonie um 08.00 mitzuerleben.
Wenn auch vieles auf Japanisch gesagt wurde, so war doch spürbar,
wie wichtig dieses Ereignis war - allein die Präsenz
von Ministerpräsident Aso und vieler weiterer Politiker
aus dem In- und Ausland bezeugte dies.
Im Peace Park wurden
die SchülerInnen mit Ketten aus Origami-Kranichen behängt
oder bekamen sogar einen Kussmund aus Papier gefaltet! Dafür
"mussten" sie die Fahne eines Landes schwenken,
für das in diesem Moment für Frieden gebetet wurde
(in diesem Fall für Sambia).
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Da der Tag ansonsten
ein normaler Arbeitstag war, fuhr die Gruppe per Bahn und Fähre
nach Miyajima, zu der Schreinanlage mit dem vorgelagerten Tor
im Wasser. Abends sammelten sich viele Menschen wieder im Peace
Park und warteten darauf, dass schwimmende Laternen im Gedenken
an die Toten auf den Fluss gesetzt wurden.
Mit einem sehr späten
Shinkansen (Superschnellzug) ging es zurück nach Kyoto.
Nach einer weiteren Tempel-Besichtigung am nächsten Vormittag
fuhr die Gruppe gegen Mittag nach Tokyo. Eine emsige Lernatmosphäre
breitete sich aus: schnell noch einmal die nötigen Floskeln
für einen Homestay in einer japanischen Familie durchgehen!
Das Treffen mit den
japanischen Gastfamilien fand um 16.00 im Goethe-Institut Tokyo
statt und war von der dortigen Mitarbeiterin, Frau Maruyama,
organisiert worden. Sie und Frau Miyatani, Deutsch-Lehrerin
an einer japanischen Oberschule, hatten viel Mühe und Zeit
investiert, geeignete Familien zu finden - und der Einsatz hat
sich gelohnt!
Die SchülerInnen
empfanden nach anfänglicher Sorge den Homestay im Nachhinein
als das Highlight der Reise schlechthin. Auch wenn das Leben
in den Tokyoter Familien eher nicht "japanisch" war,
so bot es doch einen guten Eindruck in den Alltag. Den Jugendlichen
wurden touristische Sehenswürdigkeiten (wie der Asakusa-Tempel
oder der Meiji-Schrein) gezeigt, aber auch "schrille"
Viertel wie Harajuku oder Akibahara wurden besucht genauso wie
Game Centers und Freizeitparks.
Die unglaublich freundliche
Aufnahme in der Gastfamilie und das Eingehen auf die persönlichen
Wünsche, nicht zuletzt auch das köstliche Essen, ließen
bei nicht wenigen SchülerInnen den Wunsch aufkommen, zu
verlängern oder noch einmal wiederzukommen.
Am letzten Abend
gab es allerdings auch ein spürbares Erdbeben der Stärke
4, das 30 Sekunden dauerte, und am Tag des Abflugs verhinderten
sintflutartige Regenfälle ein zügiges Vorankommen
des Express zum Flughafen. Erst 40 Minuten vor Abflug traf die
Gruppe am Flughafen ein und wurde ab dann wie eine Gruppe VIPs
nur noch von Flughafenpersonal zügig zur Maschine geleitet.
Als allerletzte Passagiere an Bord und überall verteilt,
erreichten aber alle gesund und munter elf Stunden später
Amsterdam und am frühen Abend desselben Tages den Flughafen
Köln/Bonn.
Zusammenfassend lässt
sich sagen, dass die Reise ein großer Erfolg war, wenn
auch anfangs einige Faktoren skeptisch gestimmt hatten: die
SchülerInnen waren alle noch sehr jung (niemand volljährig)
und nicht alle kannten sich untereinander. Doch funktionierte
der Zusammenhalt prima, und viele gemeinsame Erlebnisse schweißten
die Gruppe zusammen.
Japan ist und bleibt
aber auch einfach ein besonderes Land:
Mit besonderem Essen
und Getränken:
die SchülerInnen öffneten sich für die verschiedensten
Speisen wie Sushi, Nudeln, Suppen, Curryreis, Pfannkuchen, die
natürlich alle völlig anders schmeckten als zu Hause.
Auch ungewöhnliche Getränke gab es: die ganze Vielfalt
am Getränkeautomaten und dann Limonaden mit Curry-, Meerrettich-,
Knoblauch- oder Zwiebel-Geschmack!
Mit besonderen Menschen:
die Reaktionen auf die SchülerInnen, vor allem, wenn alle
das Gruppen-T-Shirt trugen, war immer positiv, und viele Menschen
wollten Fotos machen, ob auf einer Toilette oder am Meer. Auch
der höfliche Umgang der Japaner untereinander war ein gutes
Beispiel und färbte langsam auf die Gruppe ab!
Mit besonderer Stimmung:
diese entstand auch durch die interessanten Gegensätze
wie Tradition und Moderne, Geschichte und High Tech, Chaos und
Ordnung...
Diese Reise wird
den SchülerInnen sicherlich in langer Erinnerung bleiben
und in einigen Fällen vielleicht ja sogar wiederholt werden!?
Heike Trumpa,.
(E-mail: htrumpa@uni-bonn.de)
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