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Was ist los an
den Schulen?
Viel! Viele meinen:
zu viel! Sicher ist, dass sich nie im Bildungssystem so viel
auf einmal verändert hat! Eltern, Schüler und Lehrer
müssen sich permanent auf Neuerungen einstellen, d.h.
sich neu orientieren und neue Anforderungen wahrnehmen. Nicht
immer fühlen sich alle hinreichend informiert. Eine Veränderung
ist noch nicht ganz verdaut, wird sie schon durch die nächste
überholt. Es fällt nicht immer leicht, die nötigen
Informationen zeitig und im Detail allen auf geeigneten Wegen
zur Verfügung zu stellen, da auch die Schulen selbst
unter diesen Bedingungen leiden.
Haben wir uns in
ganz kurzer Zeit mehr oder weniger gut an die zentralen Prüfungen
am Ende der Jahrgangsstufe 10 und im Abitur eingestellt, was
für sich genommen schon einen Paradigmenwechsel bedeutete
gegenüber dem dezentralen Abitur, in dem die Lehrerinnen
und Lehrer auf ihre selbst erarbeiteten (von der Schulaufsicht
kontrollierten) Aufgaben die Kurse vorbereiten konnten, so
bedeutet die Verkürzung der Schulzeit am Gymnasium auf
acht Jahre eine noch einschneidendere Veränderung für
Schüler, Eltern und Lehrer.
Die Überlegungen
für das Abitur nach 12 Jahren ergeben sich daraus, dass
im internationalen Vergleich die kürzere Schulzeit die
gängige Variante ist. Selbstverständlich findet
in anderen Ländern Schule aber nicht nur am Vormittag
statt, sondern auch am Nachmittag wird in der Schule gelernt.
Und hier liegt
im Moment das Problem in Deutschland: In kürzerer Zeit
ist das Pensum bis zum Abitur zu erfüllen und damit muss
das Lernen sich teilweise in den Nachmittag erstrecken. D.
h. in Teilen muss man auch in Deutschland Abschied nehmen
von der klassischen Halbtagsschule, die - seien wir ehrlich
- für die Oberstufe auch in Zeiten von G9 nicht an allen
Tagen zu organisieren war. Und mit einer 7. Stunde war der
Halbtag natürlich auch reichlich lang!
Diese "Halbtagsschule",
wie sie bei uns das gängige Modell war, brachte Vorteile
für die Familien, die für Ihre Kinder selbst den
Nachmittag sinnvoll individuell gestalten konnten, Nachteile
für diejenigen, die dies auf Grund ihrer Lebensumstände
nicht bewältigen können.
Die Schülerinnen
und Schüler, die nun nach acht Jahren Gymnasialzeit das
Abitur ablegen werden, sind inzwischen bereits in der achten
Klasse angekommen. Ab diesem Schuljahr wurde es nun den Schulen
vorgeschrieben, zwischen Vormittags- und Nachmittagsunterricht
eine 60-minütige Mittagspause einzuplanen, die mit Zustimmung
der Schulkonferenz leicht gekürzt werden kann. Für
die Jahrgangsstufen 5 und 6 gilt die Regelung, dass sie nur
an einem Tag in der Woche einen Langtag haben dürfen,
für die 7er und 8er können zwei Tage in der Woche
als Langtage vorgesehen werden.
Wie wurden diese
Vorschriften in diesem Schuljahr an der Kaiserin-Theophanu-Schule
umgesetzt?
Erste Vorüberlegungen,
wie wir mit den neuen Vorgaben sinnvoll umgehen könnten,
wurden in der letzten Schulkonferenz vor den Sommerferien
vorgestellt. Für diese Überlegungen gab es einen
breiten Konsens und sie haben sich in den ersten Wochen dieses
Schuljahres auch durchaus als praxistauglich erwiesen.
Wichtig sind
uns folgende Punkte:
-
Keine Stufe
in der SI hat mehr als einen Langtag. Die Langtage der
Jahrgangsstufen verteilen sich über die Woche.
-
In der Mittagspause,
die entweder in der 6. oder 7. Stunde liegt, können
die Schülerinnen und Schüler (und auch die Lehrerinnen
und Lehrer) ein preiswertes, gesundes und schmackhaftes
Mittagessen in den vom Schulträger neu eingerichteten,
schönen Mensaräumen einnehmen. Bedauerlicherweise
hat die Stadt Köln für die verbleibende Zeit
vor oder nach dem Mittagessen noch nicht für geeignete
Aufenthaltsräume gesorgt. Hier muss von Seiten der
Schule noch improvisiert werden, bis uns der Schulträger
weiter zugearbeitet hat.
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Die Hausaufgabenbetreuung,
ein Angebot an die Klassen 5-7, findet an jedem Tag der
Woche bis 16.00 Uhr statt. Neben der Anleitung bei den
Hausaufgaben wird ebenfalls an Konzepten für sinnvolle
Freizeitbeschäftigung in dieser Zeit gearbeitet.
Die Finanzierung dieser Maßnahmen wird über
fünf 13Plus-Stellen sowie einen geringen Eigenanteil
der Eltern abgewickelt.
-
Unsere Cafeteria
ist weiterhin von 8.00 bis 15.00 Uhr für alle Schülerinnen
und Schüler geöffnet und bietet neben einem
Imbiss vor allem eine Atmosphäre zum Wohlfühlen.
Mit der Erprobung
unseres Konzeptes für die Langtage mit den Mittagspausen
ergaben sich für die Schülerschaft und auch die
Lehrerinnen und Lehrer sehr viele Veränderungen.
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Damit war es leider
nicht genug, denn mit Beginn dieses Schuljahres startete das
Land NRW nun zusätzlich eine so bezeichnete Ganztagsoffensive
um mit weiteren Maßnahmen auf die Problematik zu reagieren,
dass die von der Stundentafel vorgeschriebenen Stunden an einigen
Tagen in der Woche am Nachmittag stattfinden müssen, wenn
denn die obligatorischen Pausen eingehalten werden.
Wichtig für
unsere Schule ist in diesem Kontext, dass es zum 1. Februar
2009 keine 13Plus-Stellen mehr geben soll und die Aufsicht in
den Pausen sowie die Hausaufgabenbetreuung und andere Freizeitangebote
entweder mit einer halben Lehrerstelle oder bei der Größe
unserer Schule mit 25.000 Euro finanziert werden und die Organisation
mit Hilfe eines Trägers erfolgen soll.
Die Entscheidung
für die 25.000 Euro und gegen die halbe Lehrerstelle musste
an unserer Schule nicht lange diskutiert werden. Dass wir für
unsere Schülerinnen und Schüler mit dem Geld mehr
erreichen können, liegt für alle auf der Hand. Dass
die zur Verfügung gestellte Summe sehr knapp bemessen ist
und nicht einmal dazu ausreichen wird, den bei uns schon erreichten
Standard zu erhalten und zusätzlich eine Mittagspause sinnvoll
zu gestalten, ist offensichtlich. Hier müssen wir alles
daran setzen, zusätzliche Mittel aufzutreiben.
Eine weitere, viel
weitreichendere Entscheidung im Rahmen der Ganztagsoffensive
war zu Beginn des Schuljahres von den Schulen zu treffen, nämlich,
ob sie zum nächsten Schuljahr oder in den folgenden Jahren
gebundene Ganztagsschule werden wollten. Dass diese Entscheidung
zu treffen sei, wurde in den letzten Tagen vor den Sommerferien
bekannt gegeben und das Ergebnis sollte dem Schulträger
bis zum 20. August mitgeteilt werden, also 9 Tage nach Schulbeginn,
d.h. bevor wichtige Gremien der Schule auch nur ein einziges
Mal hätten tagen können. Dass damit alle Vorstellungen
von konsensualen Prozessen in einer Schule über Bord geworfen
würden, war auch von Anfang an abzusehen.
In dieser Situation
hat die Schulkonferenz der KTS klar entschieden, nicht den Antrag
auf Umwandlung in eine gebundene Ganztagsschule zu stellen.
In den wenigen Diskussionsrunden, die in der knappen Zeit überhaupt
möglich waren, wurden viele Fragen aufgeworfen:
Würde nicht
die offene Ganztagsschule, wie die Familien sie von den Grundschulen
her kennen, den Wünschen von Kindern und Eltern eher entsprechen
als der gebundene (also für alle verpflichtende) Ganztag?
Sollten die Familien also nicht selbst entscheiden, welches
Maß an Betreuungsangeboten sie in Anspruch nehmen wollen?
Ist nicht die Durchmischung der sozialen Schichten und die Akzeptanz
verschiedener Lebensentwürfe in den Familien ein Erfolgskonzept
von guten Schulen und die beste Vorbereitung der Schülerinnen
und Schüler auf ihr Leben nach der Schule?
-
Sollten wirklich
Lehrerinnen und Lehrer die Betreuungsangebote für die
Hausaufgaben und die Freizeit machen (wie es bis jetzt im
gebundenen Ganztag vorgesehen ist), also zugespitzt formuliert
diejenigen, die im Unterricht die Noten vergeben? Oder ist
es nicht besser, wenn die Lehrerschaft sich weiterhin auf
ihr Kerngeschäft konzentriert, nämlich das Unterrichten,
und die Betreuungsangebote von solchen Berufsgruppen übernommen
werden, deren Kompetenzen und Rollen den Bedürfnissen
der Kinder und Jugendlichen in diesem Bereich besonders
gerecht werden?
-
Ist es für
einen funktionierenden offenen oder gebundenen Ganztag nicht
absolut notwendig, erst einmal die räumlichen Voraussetzungen
zu schaffen, wie es an den Grundschulen auch hat erfolgen
müssen?
Die KTS möchte
auf jeden Fall ihr jetzt schon differenziertes Konzept an Betreuungsangeboten
und den AG-Bereich ausbauen, um somit vielen verschiedenen Bedürfnissen
von Kindern und Eltern gerecht zu werden. Wir hoffen, dass uns
dafür auch die notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung
gestellt werden. Am meisten hoffen wir natürlich, dass
die Stadt Köln es bei der Einrichtung einer Mensa nicht
bewenden lässt, sondern an unserer Schule die versprochenen
Neubauten so zügig in Angriff nimmt, wie wir es bei den
Umbauten für die Mensa mit Erstaunen beobachten konnten.
Eines ist sicherlich klar geworden: Es ist wirklich viel los
an den Schulen, wahrscheinlich sogar zu viel und deshalb ist
mein Artikel in diesem Da-Capo-Heft auch ein bisschen länger
geraten, vielleicht - und das hoffe ich - fühlen sich jetzt
alle einigermaßen gut informiert. Im nächsten Jahr
sollte der Artikel dann wieder kürzer ausfallen, falls
es nicht wieder so viele neue Baustellen gibt!
Monika Lindberg,
Schulleiterin
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