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Kaiserin Theophanu (959 - 991)

Die Namensgeberin unserer Schule, eine byzantinische Prinzessin, war die Gattin Kaiser Otto II. Nach dessen frühen Tod im Jahre 983 übernahm sie für ihren erst dreijährigen Sohn (Otto III., 980 - 1002) die Regentschaft. Sie starb am 15. Juni 991 und liegt in einem Sarkophag in Sankt Pantaleon in Köln begraben.

 
Theophanu's Herkunft
Theophanu wurde etwa 959 geboren. Sie war die Nichte des Johannes Tzimiskes, eines einflußreichen armenischen Generals. Dessen Vetter Nikephoros Phokas hatte 963 nach dem Tod des Kaisers Romanos II. den byzantinischen Thron bestiegen, die Kaiserinwitwe geheiratet und damit die Vormundschaft über den unmündigen Thronerben Basileios (Kaiser 976 - 1025) erhalten. Nikephoros Phokas wurde 969 ermordet; Johannes Tzimiskes selbst ergriff die Macht und wurde Kaiser (969 - 976). Theophanu entstammte also dem byzantinischen Militäradel und wurde wohl am Hof von Byzanz in der Umgebung der kaiserlichen Familie erzogen.

972 wird Theophanu Persönlichkeit der deutschen Geschichte durch ihre Hochzeit mit Otto II. (geb. 955), der schon 967 von seinem Vater Otto I. (936 - 973) zum Mitkaiser gekrönt wurde.

 
Theophanus Beziehung zu Köln

Die letzten Verhandlungen führte Gero, Erzbischof von Köln (970 - 976). Er leitete die Gesandtschaft, die Theophanu 972 von Byzanz feierlich nach Rom brachte; dort fand die Hochzeit mit Otto II. Statt. Die Gesandtschaft brachte fürstliche Geschenke aus Byzanz mit, darunter auch Reliquien des heiliigen Pantaleon. Erzbischof Gero, der "Brautführer", wird Theophanu berichtet haben, daß in Köln eine diesem Heiligen gewidmete Kirche eingestürzt war und wieder neu errichtet wurde. Mit Theophanus finanzieller Unterstützung konnte die wieder aufgebaute Kirche durch eine Apsis und das beeindruckende Westwerk erweitert werden. Während ihrer ganzen Regierungszeit behielt Theophanu enge Verbindungen zu St. Pantaleon und der dortigen Benediktinerabtei. Sie schenkte den Mönchen Reliquien des heiligen Albinus, die in einem kostbaren, Ende des 12. Jh. vermutlich in der Klosterwerkstatt hergestellte1n Schrein aufbewahrt werden. Häufige Aufenthalte Theophanus in Köln sind belegt. Es ist alte Kölner Überlieferung, in der Wissenschaft allerdings umstritten, daß das "Griechenviertel" (Großer Griechenmarkt und Nachbarstraßen) auf Künstler und Handwerker zurückgeht, die Theophanu aus Byzanz mitgebracht bzw. nachgeholt hat und die durch den viel höheren dortigen Entwicklungsstand vielfältige Anregungen gaben und erheblichen Einfluß auf die Kunst der Ottonenzeit ausübten.

Die besondere Beziehung Theophanus zu St. Pantaleon zeigte sich schließlich darin, daß die Kaiserin nach ihrem Tod am 15.06.991 in Nymwegen in dieser Kirche beigesetzt wurde. Ihre Gebeine ruhen heute in einem modernen Sarkophag im südlichen Querhaus der Kirche. Das Steinrelief der Stirnseite zeigt Christus mit Otto und Theophanu mit zwei Kirchen, St. Pantaleon und der Hagia Sophia aus Byzanz/Istanbul.

 
Hintergründe der Heirat mit Otto II.

Das antike Imperium war 396 geteilt worden in ein ost- und ein weströmisches Kaisertum. Damit sollte die Idee eines einheitlichen Kaisertums nicht aufgegeben werden; nach dem Untergang des weströmischen Reiches 476 blieb aber Byzanz die einzige Nachfolge des Imperium Romanum. Erst die Wiederbelebung des weströmischen Kaisertums durch die Karolinger und in der Nachfolge durch Otto I. brachte die Konkurrenz zweier Kaisertitel. Ziel Ottos war die Anerkennung seines westlichen Kaisertitels durch Byzanz. Es ging dabei keineswegs nur um die ideelle Seite; ebenso wichtig waren territoriale Ansprüche. Teile Süditaliens (Apulien und Calabrien) gehörten zum Hoheitsgebiet von Byzanz, das zusätzliche Ansprüche anmeldete, während Otto Ansprüche auf ganz Italien aus seinem Kaisertitel ableitete. Es hatte auch schon erste militärische Auseinandersetzungen gegeben. Für uns entscheidend ist der Versuch Ottos, seit etwa 967 durch Verhandlungen mit Byzanz eine Einigung zu erzielen. Die sollte durch eine Heirat seines Sohnes (Otto II.) mit einer byzantinischen Kaisertochter bekräftigt und damit gleichzeitig das westliche Kaisertum als ebenbürtig anerkannt werden.

 
Theophanu, Gattin von Otto II.

973 ist Otto II. nach dem Tod seines Vaters Kaiser. Theophanu trägt jetzt den Titel "consors regni" (am besten wohl: teilhabend an der königlichen Herrschergewalt). Daß zwischen Otto und Theophanu ein menschlich wie politisch gutes Verhältnis geherrscht haben muß, belegen viele Urkunden, in denen sich Otto ausdrücklich auf Theophanu bezieht. In einigen Urkunden gilt Theophanu sogar als "coimperatrix", als Mitkaiserin.

 

 

 

(Elfenbeintafel: Christus krönt Kaiser Otto II. und Theophanu)

Otto und Theophanu hatten vier Kinder. Adelheid (977-1032) wurde Äbtissin von Quedlinburg und Gandersheim. Die zweite Tochter Sophia (978-1039), Äbtissin in Gandersheim und Essen, war die erste deutsche Prinzessin mit diesem griechischen Namen. Ob es der Name von Theophanus Mutter war, kann nur vermutet werden. Eine dritte Tochter Mathilde (979-1024) heiratet den Pfalzgrafen Ezzo. Das vierte Kind war endlich 980 der ersehnte Thronfolger, der schon aus dynastischen Gründen den Namen Otto bekommen mußte. Bereits 983 ließ der Vater auf dem Reichstag zu Verona seinen dreijährigen Sohn zum König wählen. Wenige Monate starb Otto II., erst 28 Jahre alt, an Malaria.

Ottos plötzlicher und früher Tod brachte für Theophanu eine völlig neue Situation. Bisher war sie einflußreiche Gattin des Herrschers; jetzt ist sie Witwe des Kaisers und die entscheidend Verantwortliche für die Erziehung des dreijährigen Königs bis zu dessen Regierungsfähigkeit mit 16 Jahren. Nur durch eine solche Vormundschaft konnten im europäischen Mittelalter Frauen die Regierungsgeschäfte eigenständig leiten.

Theophanu, Vormund von Otto III.

So tragisch der Verlust des Gatten für Theophanu sicher war, nur durch dessen Tod konnte sie für elf Jahre die Reichsgeschicke leiten .Zunächst bedeutet dies die Sicherung der Macht für sich und den Sohn, denn es gab keine feste Regeln für eine solche Vormundschaft. So hat denn auch ein Vetter Otto II., Heinrich von Bayern, dem die Nachwelt den Beinamen "der Zänker" gab, den jungen König entführt, um sich selbst zum Vormund und damit auch zum Regenten zu machen. Dabei spielten Rivalitäten zwischen Theophanu und ihrer Schwiegermutter, Kaiserin Adelheid, eine wichtige Rolle, ebenso natürlich der Versuch, Theophanu als "Fremde" (heute würde man sagen als Ausländerin) von solchen Positionen fernzuhalten. Es ist der deutlichste Beweis für das Ansehen Theophanus als Herrscherin und als Persönlichkeit, daß sie in den folgenden anderthalbjährigen Auseinandersetzungen die Mehrheit der Reichsfürsten auf ihre Seite ziehen, damit ihre Herrschaft festigen und Heinrich zwingen konnte, das Kind Otto seiner Mutter zurückzugeben.

Sechs Jahre lang (984-991) regierte Theophanu als von allen Seiten anerkannte Kaiserin in der Vormundschaft ihres Sohnes. Sie setzt die Schwerpunkte der Politik ihres Gatten fort. Sie schützt die Ostgrenzen gegen immer wiederkehrende Aufstände. Sie kann auch den Frieden für die Westgrenzen sichern. Dieser ist sehr stark gefährdet, als nach dem Tod Ludwig V. 987, der keine Erben hinterläßt, in der Auseinandersetzung zwischen Karolingern und Kapetingern sich Hugo Capet mit Unterstützung Theophanus als französischer König durchsetzt.

Mit ihrer Romreise 989/990, über die uns die Quellen nur spärlich Auskunft geben, wollte Theophanu auch ihre und ihres Sohnes Ansprüche auf das Kaisertum bekräftigen. Das Herrschaftskonzept Otto III., die renovatio imoerii romani, die Wiederherstellung eines von Papst und Kaiser gemeinsam geleiteten, das ungeteilte Erbe Roms fortsetzenden Reiches, ist ohne Theophanu kaum vorstellbar. Es blieb allerdings eine utopische, nie realisierte Idee. 991 stirbt Theophanu. Otto III. ist noch nicht "volljährig". Seine Großmutter , Kaiserin Adelheid, übernimmt bis 996 die Vormundschaft. Nur sechs Jahre eigener Regierungszeit verbleiben Otto, der schon 1002 unverheiratet und ohne Erben stirbt. Durch die kurze Regierungszeit ihres Mannes wie ihres Sohnes wird der politische Einfluß und die Bedeutung Theophanus für Mitteleuropa besonders deutlich. Vielleicht war sie die bedeutendste Kaiserin des europäischen Mittelalters; sicher gehört sie zu den herausragenden Frauen des Mittelalters.

Quelle: Winand Breuer (entnommen: 50 Jahre Kaiserin-Theophanu-Schule 1938-1988)